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Bikershelp-Abschluss-Tourbericht vom 05.10.2010

by Renate Schusch on Oktober 13th, 2010

Zeitraum 1. – 26. September 2010: Tour-Report „die 8te“

„…und so berichtete er weise über den letzten Teil der Reise.“

Hallo Bikers and Friends,

Aktuelle Situation: Bin nunmehr seit Sonntag, 26.09.2010 wieder wohlbehalten back home in Berlin. Längst ist noch nicht alles geordnet – sowohl in rein sachlicher, papier-mäßiger, und motorradrelevanter als natürlich auch in emotionaler Hinsicht. Ganz grob geht die Fragestellung in 2 widerstrebende Bereiche:

  1. Was bleibt an Erlebnisqualität (bunte Vielfalt, stressige Wetterbedingungen, sportliche Bewältigung)

und

  1. Warum haben wir unser (soziales) Ziel (zumindest finanziell) nicht erreicht?

Im Zusammenhang mit der Gesamtdarstellung der Berichte und weiterer Veröffentlichungen der „Bikershelp-Tour“ bitte ich um Beachtung des von mir selbstverständlich beanspruchten „copy-rights“, d. h. dass niemand (ohne meine ausdrückliche schriftliche Genehmigung) die Berichte oder Teile davon benutzen darf.

So liebe Leute, hier nun Schließung letzter Berichtslücken in Form einer jahreszeitlich passenden Herbstlaubcollage als Abschluss der Gesamt-Tour. Weitere Be- bzw. Aufarbeitungen wird die Tour bzw. die komplette Benefiz-Aktion im Magazin des Schirmherren BVDM, der „Ballhupe“, erfahren (wie versprochen!), und außerdem ist eine Veröffentlichung in Buchform geplant (beides mit diversem Fotomaterial).

Nun geht’s also weiter im Tourverlauf:

Bevor ich die südlichste spanische „Spitze“ bei Algeciras runden und vom Mittelmeer in den atlantischen Einflussbereich „gerate“, versagt am Do. 02.09. mittags um 12.00 Uhr der Tacho ca. 50 km vor Sevilla (km-Stand: 70600). Nach anfänglichem Verdruss finde ich mich jedoch damit ab und komme auch ohne dieses „blöde Ding“ gut voran nach Portugal. Das angestrebte Tagesziel nördlich von Lissabon wird allerdings nicht ganz erreicht. Nächtige mal wieder „parterre“ auf  Tank-Rastplatz ca. 80 km südlich der portugiesischen Hauptstadt.

Am Freitag, 03.09., weckt mich die morgendliche Kälte. Also geht’s früh weiter „soweit die Füße tragen“. Durch das schöne Portugal fahre ich über schnelle Straßen in die nordwestliche Ecke Spaniens, nach Galizien. Dort erreiche ich, begleitet vom Wind und Regen, die berühmte Pilgerstadt Santiago de Compostela, finde dort auch gleich eine Motorradwerkstatt, die meine Antriebskette samt der beiden Ritzel erneuern soll. Die „alte“ Kette hielt wegen der immensen Belastung (seit Nordfinnland) nur etwa halb so lang wie sonst üblich. Natürlich klappte das Auswechseln wegen der postalischen Beschaffung aus Madrid erst am Dienstag, 07.09.,

Also 4 Nächte auf dem Campingplatz oberhalb der Altstadt im Zelt. Tagsüber, meistens bei Regen mit nur wenigen Sonnenstunden, erkunde ich die faszinierende Altstadt natürlich mit obligatorischem Besuch der berühmten Kathedrale. Tausende Touristen und Pilger aus aller Welt belagern die Stadt u. a. wegen des besonderen Jakobs-Jahres. Zeit, ein langersehntes Paket für Töchterchen Elli mit allerlei kindgerechtem Krimskrams zu packen und zu versenden.

Die gut 3 Tage verbringe ich gemeinsam mit Werner, einem außerordentlich bemerkenswerten Biker, der direkt neben mir zeltet. 75 Jahre alt (in Worten: fünfundsiebzig !). Mit seiner alten BMW GS bereist er seit –zig Jahren alle (!) Winkel dieser Welt und seit 27 Jahren sogar trotz eines erheblichen Handicaps, einem künstlichen Darmausgang! Er will damit u. a. auch vielen seiner „Leidensgenossen“ Mut machen, weiterhin aktiv das Leben zu gestalten und erlebnisorientiert zu genießen. Nach vielen ausführlichen und anregenden Gesprächen sowie  gemeinsamen Unternehmungen mit Werner geht’s dann am 07.09. mit „neuem Antrieb“ bei viel Regen und Sturm weiter, zunächst lange auf der Pilgerstraße (extra gekennzeichnet und mit vielen günstigen Hotels) durch eine herrliche, grüne Landschaft am Meer mitquirligen (Bade-) Orten in den Raum der Biskaya.

Frankreich wird zügig durchfahren. In Brest (teures Hotel!) versorge ich mich am nächsten Tag in gutem Motorradladen u. a. mit neuen Handschuhen, Regenhose etc. –  Ölwechsel und Tachowellenaustausch sind leider nicht möglich. Am Fr. 10.09., geht’s um 18.30 Uhr mit eleganter (!) Fähre von Roscoff (ca. 50 km nördlich von Brest) direkt nach Rosslare, Irland. Damit spare ich (indem ich nicht nach Plymouth, Sündengland, übersetze) eine Hotelnacht, eine weitere Fähre und für einen Tag die Reisekosten. Außerdem kostet die Fähre nur 115 Euro (einschl. Pullmann-Sitz für die Nacht). Dieses super-ausgestattete Schiff, die Oscar Wilde, (u. a. mit mehreren Kinderspielplätzen, Bühnen, Restaurants, Kinos) ist nur mäßig (mit vorwiegend Franzosen und Iren) besetzt. Am nächsten Tag, Sa. 11.09., landen wir in Rosslare, Republik Irland. In nur 2 Tagen durchkreuze ich bei sehr wechselhaftem Wetter die gesamte irische Insel mit ihren abwechslungsreichen Landschaften –  Stonewalls, bunten Städtchen, Palmen und anderen sukkulenten Pflanzen (Golfstrom). In Charlestown finde ich spät abends noch ein schnuckeliges Hotel. Den Übergang in das britische Nordirland nehme ich nur indirekt wahr: kein Grenzschild (vor über 40 Jahren war diese Grenze fast noch „feindlich“); bemerkbar u. a. nur durch die fehlenden gälischen Beschilderungen und die in Nordirland gültige britische Währung. Treffe dort auf „Tanke“ einen äußerst netten Biker, Frank bzw. Francie, der auch Deutsch spricht. Er begleitet mich einige Kilometer auf seiner Royal Enfield. Danke für Deine lieben Grüße, Frank!

Am Montag, 13.09., lande ich mit der Fähre von Larne, Nordost-Irland, nach nur 1 Stunde Fahrt (verkürzt wegen Pisswetter) im schottischen Cairnryan. Nach relativ kurzer Fahrt nach Norden bei äußerst stürmischen und regnerischen Wetterkonditionen (kann mich kaum halten!) flüchte in in Ayr in die „North-Habour-Motorcycles“ Werkstatt: Hier Reparatur bzw. Wechsel von: Hi-Reifen, beide Hi-Radlager, Öl mit Filter, Kupplungshebel und -Protektor, Kettenwartung; decke mich auch mit Anti-Fog- und Rain-Spray ein. Bei etwas gemäßigtem Wetter geht’s weiter in die weltberühmte und sicherlich einzigartig urige Landschaft am Loch Ness. Am Dienstag, 14.09., auf dem Weg dorthin, komme ich durch die wild-romantischen, typisch schottischen Highlands mit Gebirge und Wasserfällen sowie peitschendem Regen, heftigem Gewitter und orkanartigen Böen. Kann die Maschine, selbst im abgestellten Zustand, kaum halten (so etwas habe ich in meinen 50 Jahren Motorraderfahrung noch nie erlebt!). Flüchte mich deshalb in ein etwa 6 Meilen (ca. 10 km) zurückliegendes heimeliges Hotel mit angeschlossenem Bunkhouse (einfache Wanderunterkünfte). Lerne dort nettes deutsches Paar auf Hochzeitswanderung kennen (auch Bunkhouse-Nutzer) im Winz-Ort „Bridge of Orchy“.

Am Mittwoch, 15.09., hat sich das Wetter eines besseren besonnen, d. h. die Sonne zeigt sich häufiger. Tausche mich auf einem großen Parkplatz bei einer historischen Burganlage am Loch Ness intensiv mit einem für unsere Kampagne sehr engagierten Ehepaar aus Dortmund aus, die sich für uns einsetzen wollen. Übrigens schenken sie mir die ADAC Straßenkarte von dort – hatte meine verloren.

Am Donnerstag, 16.09., bei zwar windigem (Wind wird zu meinem Dauerbegleiter!) aber sonnigem Wetter mache ich auf meinem Weg nach Süden eine Stippvisite in das Zentrum von Edinburgh mit Besuch der Princess-Street und Blick auf’s Castle. Auch der Papst war just an diesem Tag dort, wie zur gleichen Zeit vorher auch in Glasgow und später in London – wir hatten uns aber wirklich nicht abgesprochen und uns auch Nichts zu sagen… An diesem Donnerstag erreiche ich noch ein super Bed- and Breakfast-Hotelchen in Eyemouth an der südostschottischen Küste.

Am Freitag, 17.09., schaffe ich weit über das ursprünglich angestrebte Ziel Hull hinaus eine riesige Strecke auf dem berühmten englischen Highway A1 bis kurz vor London und lande leider in teurem und schrecklich unpersönlichem Autobahnhotel. Im schnuckelig-anheimelnden  Cambridge zwar viele Studenten aber leider kein Hotel.

Am Samstag, 18.09., durchquere ich das quirlige London, u. a. mit Ferry- Boat über die Themse und schlage mich durch nach Kent. In dieser idyllischen Parklandschaft um Tun bridge-Wells (hatte dort als Pennäler dereinst eine „Schreib-Freundin“, „ein Pen-Pal“) verabrede ich mich mit Petar, einem unserer Aktion sehr wohlgesonnenen Freund, der mich eingeladen hatte. Gemeinsam mit seiner ebenso netten und unglaublich freundlichen Ehefrau, der Gabi (beide aus Deutschland und seit langer Zeit in GB), verwöhnen sie mich so liebevoll in ihrem traumhaft schönen alten Herrenhaus (mit riesigem Park und eignem See) – ich habe so etwas imponierend Schönes noch nie erlebt. Übrigens hat Stefan Hessler mir eine Tachowelle an diese Adresse geschickt, die ich hier nach einer geruhsamen Nacht (allerdings ohne Schlossgeist) auch einbauen kann – danke dafür Stefan! Herzliche Grüße und nochmals vielen Dank für die unvergesslich tollen, gemeinsamen Stunden bei Euch, liebe Gabi, lieber Petar!!!

Am Sonntag, 19.09., durchquere ich per Fähre den Ärmelkanal über  die traditionelle  Passage von Dover nach Calais. Unter grauem Himmel schaffe ich es von Frankreich nach Belgien und komme in einem Hotel im Badeort „de Haan“ unter. Von hier fahre ich über die Grenze nach Holland und den dortigen Küstenstraßen (u. a. dem 30 km langen Abschlussdeich) nach Deutschland, das ich nach ca. einem viertel Jahr wieder „betrete“ – komisches Gefühl! Über Leer durch Ostfriesland gelange ich nach Bredstedt im Nordfriesischen.

Am Mittwoch, 22.09., geht’s das letzte Mal ins Ausland, nach Dänemark, und am historischen Ribe mit seinem uraltem Dom vorbei erreiche ich im nördlichen Jütland den bekannten Badeort Lökken an der Jammerbucht. Er ist, was ich nicht erwartet hatte, fast menschenleer, selbst das (meist  studentische) Personal ist ausgeflogen. Sie hätten eigentlich nur drei Wochen im Juli Saison, erklärt mir der Hotelier. An dem berühmten Strand ziehe ich mit meiner Suzie noch einige Kreise, um dann bei Skagen an das einzigartige Zusammentreffen von Skagerrak (nördlichste Nordsee) und Kattegat (nördlichste Ostsee) in Grenen mit dem „Sandwormen“ (Traktor mit busartigem Anhänger) zu gelangen. Hier schlagen die Brandungswellen beider Meere imposant aufeinander und man kann mit einem Bein hier und dem anderen dort drin stehen – einzigartig! Seehunde begleiten das Spektakel! Jetzt geht’s zum letzten Mal gen Süden und in der historischen Stadt Ebelstoft genieße ich noch einen Rundgang bevor ich Jütland mit einer Super-Schnell Fähre (fast 70 km/h!) verlasse und in kürzester Zeit nach Havnebyen übersetze. Von dort noch einige Kilometer, eine vorletzte kleine Fähre und dann an Kopenhagen vorbei nach Nyköbing, ca. 40 km vor Gedser. Eine letzte „ausländische“ Übernachtung  und am Samstag, 25.09., lande ich wieder in Rostock-Warnemünde. Finde wegen hohen Touri-Aufkommens (ganz im Gegensatz zum dänischen Lökken und trotz regnerischem Wetter) gerade noch eine Unterkunft. Am Sonntag geht’s dann mit Wind und Dauerregen über die letzte Autobahnstrecke gen Berlin. Nach nunmehr insgesamt ca. 23 000 km, begrüßt mich hier in Spandau, im gastlichen G7, eine kleine aber feine Corona aus Familie, lieben Teammitgliedern, Freunden und Interessierten….

Ich hab’s geschafft!!

Ganz liebe Grüße von Eurem Peter back home!

Danke für Eure treue sowohl mentale als auch digitale Begleitung

P.S.: Anfragen und Kommentare können gern über unsere Homepage abgewickelt werden. Ihr könnt mich aber auch direkt über meine Email-Adresse erreichen „peter.j.vollmers@web.de

From → Die Benefiz-Tour

One Comment
  1. Peter Vollmers permalink

    Hallo, liebe Leute!

    Um Missverständnissen vorzubeugen: Meine Email-Adresse lautet:

    peter.j.vollmers@web.de

    Bitte meldet Euch!

    Beste Grüße!
    Peter

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