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Peters Bericht von der Benefiztour – Bericht vom 27./28. Juli 2010 (und noch etwas mehr) – Durch den noch wilderen Osten bis zur Halbzeit

by Renate Schusch on August 17th, 2010

verfasst von Isabell Vollmers

Und hier liebe Leute, aus dem nun wirklich nötigen Urlaub auf unserem geliebten Kreta endlich der letzte Bericht der 1. Etappe – nach insgesamt rund 11.000 km und erst jetzt bemerkbaren Muskelkater i. d. Beinen sowie quietschender Hinterradbremse sitze ich hier im Hotel von Maria Papadakis und rekapituliere. Übrigens kommt morgen die liebe Famile (Nele und Elli) mit dem Flieger nach Chania, wo ich sie – sehnsüchtig erwartet! – mit dem Mietauto abholen werde.

Solange waren wir noch nie getrennt: 39 Tage, das sind 5 Wochen und 4 Tage das sind 936 Stunden oder 56160 Minuten – oftmals sehr lange Minuten – länger als wir dachten. Umso mehr freuen wir uns aufeinander. Originalton Elli: “Am meisten freue ich mich auf Dich, Papa!”.

Hier wird meine Suzi immer wieder bestaunt und viel fotografiert, Flyer gern genommen  und es entstehen täglich diverse Info-Gespräche. “Wirklich von Berlin bis hierher?” und dann geht’s los mit oftmals ungläubigem Staunen. Neulich saß einer bei Maria , ließ seine große Familie abends irgendwo warten: Er hatte die Maschine gesichtet und erinnerte sich, dass er (i. d. Nähe der Spinner Brücke wohnend) unsere “Abschieds-Plakate” am Auvs-Treff gesehen hatte – kleine interessante Welt! Es wurde ein langer Abend.

Heute ist Montag, der 16. August und erst jetzt geht’s weiter, es kamen soviele aktuelle private Unternehmungen dazwischen und ein bisschen hab ich’s auch (zugegeben) schlörren lassen. Am Mittwoch, dem 18. solls dann weitergehen: Vormittags die Familie zum Airport und abends Fähre nach Piräus. Zurzeit allerdings befindet sich mein geliebtes Gefährt im Ausnahmezustand: Anlässlich der vorgesehenen Inspektion ergab sich ein doch gravierender Getriebeschaden, was dazu führte, den Motor zu demontieren und zu zerlegen. Die erforderlichen Ersatzteile sollen heute auf dem “schnellsten” Weg gebracht werden, und hoffentlich wird alles bis zur geplanten Abfahrt gesichert sein. Bitte drückt mir die Daumen! Sponsoren nach vorn mit dem Stichwort “Suzuki Motorschaden” auf unser Konto – bitte dringendst (siehe Homepage) – alles was drüber ist, geht natürlich zugunsten der Kinder! Drüber heißt die Hälfte der Reparaturkosten – die andere Hälfte trage ich! Ist das so ok? – Dann macht hinne!

Und hier nun der abschließende Teil der ersten Etappe in zusammengefasster Form, z. T. als prägnante Erinnerungen bzw. Bruchstücke:

Unspektakuläre Fahrt durch das sonnige Ungarn mit wohl typischer Pusta-Landschaft, weit und flach. In Rumänien geht’s in den wilderen Teil des südöstlichen Europas: gebirgig, schlechte Straßen mit abgrundtiefen Löchern im brüchigen Asphalt, Schlam und -zig kilometerlange Baustellen, schwer befahrbar. Deshalb vorzeitige Quartiersnahme mitten im nächtlichen Gebirgswald – gemütlich und bezahlbar. Verständigung immer wieder in italienischem “Radebrech”. Interessante Pilzgerichte/Steinpilze frisch aus dem Wald, auch roh zum Nachtisch bereitet. Vorbei an uralten Klöstern und wunderschönen Langdörfern mit gediegensten Zaungebilden. Davor überall Bänke, auf denen die Leute sich abends finden und relaxed den Tag bereden. Viele Frauen in Trachten mit Spinnstöcken zwirbeln Schafswolle zu Faden-Knäulen. Hinter den bunten Zäunen urige Holzhäuser wie auf bunter Naiv-Malerei. Irgendwann in der Mittagshitze gibt’s als nicht willkomme Abwechslung den nächsten Rad-Platten, die vielen Straßenschäden hatten Erfolg. Wie bereits gehabt, half wiederum der ADAC-Auslandsdienst hervorragend.  Mit dem “Platten” in der fast baumlosen Hitze kamen die ersten Zikaden mit ihrem lauter Gezeeter nach mediteraner Meloie und 2 Harley-Trupps mit netten Rocker -Jünglingen. Der Kleenste war natürlich der Präsident. Einer hatte ‘ne weiße arabische Galabia an als Motorrad-Kluft (ich hab’s fotografiert!). Sie luden mich ein zu ihrem Rockfest im nächsten Ort. Das tat auch die zweite Truppe, die kurz danach bei mir hielten. Übrigens gab’s in einigen der schönen Ortschaften die ersten Moscheen mit markanten Minaretten. Pittoresk, aber abends wegen mangelnder Beleuchtung riskant, viele kleine Pferdefuhrwerke vorwiegend Bauholz transportierend und das auch in Bulgarien. Ebenso grenzübergreifend hunderte Storchennester (auch in Kooperation Storchenpflege mit den östlichen Nachbarländern) und immer wieder schöne Dörfer und Städte, einzigartige Holzkirchen und in Bulgarien attraktive bis grässliche Tourismus-Gebiete z. B. um Varna am Schwarzen Meer.

Einmal kam ich durch ein echtes Roma/Sinti Dorf. Alle Leute schienen auf der Dorfstraße zu flanieren. Plötzlich hebt ein Jugendlicher eine ca. 3,5 m lanage, massive Latte mit beiden Händen umfassend nach hinten über seinen Kopf, so als wolle er damit zuschlagen und fixiert mich mit wütendem Gesicht, als ich mich ihm auf der Maschine nährte. Während ich noch an einen Jungenscherz denke, schlägt er (ich mag’s immer noch nicht glauben) doch tatsächlich mit voller Wucht zu! Er trifft mich an der Hinterseite des Helms und die Latte rutsch daran über das Gepäck ab – gottseidank! Voll auf den Helm getroffen, hätte mir das Genick brechen können. Was war das bloß?! 50 m weiter musste ich hupen, weil ein offenbar betrunkener Mann über den Fahrdamm torkelte. Mit zur Grimasse entstelltem Gesichtsausdruck wandte er sich mir zu, hob beide Hände wie ein angreifender Löwe, brüllte auch so und war wohl zu allem bereit. Ich kam schließlich unversehrt aus dem Dorf durch das ich bestimmt nie wieder fahre!

Man spricht hier weder Englisch noch sonst eine westeuropäische Sprache. Das führte oftmals dazu, dass sie sich abwandten, wenn ich sie nach dem Weg fragen wollte. Gelang der Kontakt dann doch, so hatte ich den Eindruck, als sei ich der erste (westliche) Ausländern, dem sie jemals begegneten. Meine Aussprache der Ortsnamen (auch wenn nur 50 km entfernt und Großstadt) war nicht in ihrem phonetischen Spektrum und lateinisch geschrieben auf der Karte völlig fremd. Klappte es dann nach etlichen vergeblichen Versuchen schließlich doch, wurde mir der Weg detailliert erklärt – auf bulgarisch! Signalsierte ich, dass ich’s nicht verstehen könne, wurde die Erklärung mehrfach freundlichst wiederholt. Dann gaaaanz langsam oder etwas lauter. Mit Zeigen konnten wir unseren bi-nationalen Plausch meist erfolgreich beenden. Befremdlich waren auch die wiederholten Dienstleistungsangebote um die städtischen Hotels herum. Ich suchte nach Restaurants zum Abendessen. Die hatten meist schon um 20.00 Uhr geschlossen. Dafür fragte man “You want Signorita?” Toll!

Endlich in meinem geliebtem Griechenland angekommen, fühlte ich mich wie zuhaus: gut aufgehoben, verstanden und freundlichst in herrlicher abendlicher Alexandropolils – oder Valos – Atmospähre absolut geborgen. Traf israelisches Paar auf Enduro (GS-BMW) mit viel Gepäck und wir freundeten uns sofort an – auf dem Camping Platz aßen wir zu Abend und hatten uns unendlich viel zu erzählen. Leider fand ich Chalkidiki (die nördliche Halbinsel mit den 3 Fingern) vom Tourismus völlig überrannt. Meine Griechischkenntnisse konnte ich oftmals nicht einmal bei den Kellnern anbringen: Sie sprachen (wie die meisten ihrer Gäste) nur bulgarisch!

Macht’s gut Leute! Bis bald (wenn die Mühle wieder läuft!)

Peter

P.S.: Den Biker-Gruß kannte man bisher überall – außer in Griechenland….

From → Die Benefiz-Tour

One Comment
  1. Helmut und Anne permalink

    Wir sind heute, am 21.08., gerade erst (seit 1,5 Stunden) aus Kreta zurückgekehrt und haben Peter in den letzten Tagen in unserem Hotel miterlebt; die Begeisterung für seine Idee und seine Aktion, aber auch das Bangen um die Ersatzteile und den Erfolg der Reparatur an seiner defekten “Mühle”.
    Ein bißchen wie ein eingesperrter Tiger hat er schon gewirkt, was wohl zur Zeit auch nicht weiter verwunderlich ist.
    Als wir uns gestern Abend von ihm verabschiedeten, war der Stand der, dass das Bike heute wieder OK sein und um 21:30 Uhr auf die Fähre rollen sollte.
    Wir hoffen und wir wünschen ihm, dass der Rest seines beeindruckenden und anspruchvollen Programms nun (as far as possible) reibungslos über die Bühne geht. Wir drücken jedenfalls alle Daumen und warten gespannt auf die weiteren (hoffentlich positiven) Berichte.
    Anne und Helmut

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